Das Umweltbundesamt hat vor einigen Jahren klimatische Zwillingsstädte ermittelt, um die klimatischen Veränderungen greifbarer zu machen. Das Wetter über den Jahresverlauf ist in Frankfurt und Karlsruhe heute mit Lyon vergleichbar, so wie es dort in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war. Mannheim wird in Beaune verortet, ebenfalls in Zentralfrankreich. Die Zwillingsstädte wandern jedoch fortwährend nach Süden. Das zukünftige Klima von Frankfurt oder Mannheim ist mit Toulouse vergleichbar, in fünfzig Jahren kann man die Quadratestadt eher mit Städten an der Adria vergleichen. Andere Studien sehen uns in der Region um Porto in Portugal.
Das klingt ersteinmal nach endlosen Sommerferien vor der Haustür. Aber wer in diesen Tagen nach draussen geht und auf das Thermometer schaut, erkennt, dass diese Veränderungen große Herausforderungen mit sich bringen. Die Sommer werden heißer und trockener. Und heisse Luft speichert Feuchtigkeit deutlich besser – wenn es regnet, dann gibt es Starkregen und Überflutungen. Wir können auch mit den ambitioniertesten Maßnahmen die Klimaveränderungen nicht rückgängig machen, wir können sie nur verlangsamen. Und wir müssen uns an das anpassen, was kommt.
Bürstadt muss zur Schwammstadt werden: Wenn es regnet, muss unsere Stadt die Feuchtigkeit aufsaugen wie ein Schwamm, um sie in trockenen Zeiten langsam wieder abgeben zu können. Das funktioniert am besten mit Grünflächen. Auf Straßen wie der Augustinerstraße, der Bonifatiusstraße oder der Schulstraße gibt es nicht einen einzigen Baum. Es gibt keinen Schatten, kein grünes Blätterdach, das über Verdunstung die Umgebung kühlen kann. Und wenn es regnet, verschwindet das Wasser in der Kanalisation und ist verloren.
Andere Städte haben die Herausforderung angenommen. In Städten wie Barcelona, Ütrecht oder Malmö ist die 3-30-300-Regel städtische Leitlinie: Wenn man aus einem beliebigen Fenster schaut, sollte man drei Bäume sehen können. 30% der Fläche eines Viertels sollten begrünt sein, und niemand sollte weiter als 300 Meter bis zum nächsten Park laufen müssen. Unter abflastern.de wettstreiten auch zahlreiche hessische Städte und Gemeinden darum, wer die größten Flächen entsiegelt. Darmstadt zum Beispiel ist ganz vorne mit dabei.
Das braucht auch Bürstadt: Weniger Asphalt, weniger Pflaster. Mehr offene Flächen für Bäume, Büsche und Wildblumen. Dachbegrünung. Kletterpflanzen an Fassaden. So könnten wir mit vielen kleinen Maßnahmen dazu beigetragen, dass bei zukünftigen Hitzewellen das Klima in unserer Stadt erträglich bleibt, Bäume, Büsche und Wildblumenwiesen durch Verdunstung die Temperaturen senken und beim nächsten Starkregen das Wasser auffangen und für die nächste Hitzewelle speichern. Heute schon abgepflastert?
https://www.umweltbundesamt.de/klimatische-zwillingsstaedte-in-europa
https://gruen-in-der-stadt.de/aktuelles/mit-der-3-30-300-regel-zu-mehr-stadtgruen-fuer-alle