Der Stadtrat im sächsischen Heidenau hat entschieden, dass dort keine weiteren Stolpersteine verlegt werden dürfen. Man wolle nicht, das Passanten über die Namen von Opfern hinweggehen oder darüber treten. Stattdessen soll eine zentrale Gedenkfläche auf einem Friedhof geschaffen werden. Aus den Augen, aus dem Sinn. Stolpersteine tragen ihren Namen nicht ohne Grund: Im besten Fall reissen sie Passanten für einen Augenblick aus dem Alltag, lassen sie über einen Namen aus der Vergangenheit stolpern. Für einen Moment werden abstrakte Opferzahlen zu konkreten Schicksalen mit Namen, Geburtsjahr und Verbleib. Viele der 26 Bürstädter Stolpersteine sprechen von Flucht und Überleben, aber auch bei uns finden sich die Einträge Auschwitz, Buchenwald oder Dachau.
Erinnerungskultur gehört nicht auf den Friedhof, sondern in den Alltag, auf den Bürgersteig. Während eines halbstündigen, zwei Kilometer langen Rundwegs durch die Bürstädter Innenstadt lassen sich alle 26 Steine besuchen, die Toten und Geflüchteten auf diese Weise ehren und in Erinnerung halten. Wir haben dazu eine Karte erstellt.

Heidenau zeigt, woher der Wind weht: „Last uns die Vergangenheit beerdigen, genug ist genug.“ Aber nur, wer die Vergangenheit in wacher Erinnerung behält, kann aus ihr lernen und vermeiden, die gleichen Fehler erneut zu begehen.
Bürstadt vergisst nicht.